WAS MICH BEWEGT
Für wen sind die Parkbänke da? Diese Frage wage ich mal in den Raum zu werfen. Sind sie nur für alte Menschen, die sich beim Spaziergang mal ausruhen müssen? Für mich sind Parkbänke ein Angebot im öffentlichen Raum, das alle Anwohner und Besucher nutzen dürfen. Natürlich sollten sie pfleglich mit der Bank umgehen. Doch zunehmend beobachte ich, dass Menschen, die eine Parkbank zum Treffpunkt mit Freunden nutzen beschimpft werden als „Penner“ oder „Pack“. Und gerade Jugendliche auch oft von Anwohnern verscheucht werden.
Bei mir vor der Haustür in München stehen Bäume mit drei Parkbänken und ich habe geradezu Freude daran zu beobachten, wie diese genutzt werden. Mal sitzen dort Mütter mit Kindern, die sich bei der Eisdiele um die Ecke eine Kugel in der Waffel gegönnt haben, mal Jugendliche mit Fahrrädern, die rauchen (vielleicht sind sie nicht immer 18), mal Pärchen, die sich mehr zanken als gernhaben und ganz oft auch Männer aus der Nachbarschaft, die sich hier auf eine Flasche Bier treffen. Ich habe schon mitbekommen, wie der eine dem anderen von der Straße ins Hof-Fenster zurief „Kommst runter auf ein Bier, ich habe zwei Flaschen“. Nicht alle Menschen haben einen Balkon und unsere Sommer sind inzwischen heiß. Warum also einsam in der Wohnung sitzen, wenn man sich um die Ecke unter Bäumen treffen kann? Wenn wir in Italien drei alte Männer den ganzen Tag vor einem Café sitzen sehen, sagen wir „Ach wie nett die drei Alten, die Italiener wissen zu leben, die haben Gemeinschaft“ und den Franzosen mit dem Baguette und Rotwein-Glas auf einer Hausmauer sitzend, bezeichnen wir als pittoresk. Nur in Deutschland haben wir kein gutes Wort übrig für Freunde, die sich auf einer Parkbank treffen. „Alles Alkoholiker“ – kommt dann schnell.
Ja, mag sein, dass welche darunter sind – doch gerade diese benötigen Gemeinschaft, sprechen wir doch von Alkoholkranken. Und oft ist die Einordnung ein schlichtes Vorurteil. In den letzten Wochen sehe ich immer wieder zwei Nachbarinnen, die sich auf eine der Bänke treffen – sogar mit Kuchen. Wie schön! Ich freue mich für sie, dass sie den Sommer genießen und nicht alleine in der Wohnung sitzen.
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