WAS MICH BEWEGT
Und es macht einen Unterschied! Was? Ob ein Handy im Raum ist oder nicht.
Ich erhielt eine Einladung zu einem „Sei mein Gast – Secret Room Event“. Eingeladen waren altersgemischt Frauen mit unterschiedlichen Berufen aus verschiedenen Branchen zu einem Abend in einer separaten Bar-Lounge eines 5-Sterne-Hotels. 30 Frauen im Austausch mit zwei weiblichen Coaches zu Themen, über die viele Frauen nicht gelernt haben zu sprechen: Lust, Geld, Intuition.
Die Devise: 30 Frauen, ein geschützter Raum, keine Kameras (Handys bleiben draußen). Ich wurde neugierig, folgte der Einladung und wurde mehr als positiv überrascht. Ich erlebte einen sehr spannenden Abend. Die anwesenden Frauen standen in keinem Arbeitsverhältnis zueinander, es wurde völlig frei diskutiert, und die Frauen öffneten sich und sprachen über das, was ihnen fehlt, nämlich Befriedigung. Sie sehen zu, dass alle Familienmitglieder (bis zum Hund) ihre Bedürfnisse erfüllt bekommen. Viele Frauen organisieren neben ihrer Karriere den kompletten Alltag der Familie, bis alle Lieben wohlig nach dem Tag ins Bett fallen – und sie selbst liegen wach. Einige träumen von mehr Anerkennung und Geld, andere von Zuwendung und lustvollem Sex. Doch das trauen sie sich oft nicht zu sagen. Das gehört sich nicht für eine Frau – auch nicht im Jahr 2026 –, so zumindest das Gefühl. Zu äußern, was man wirklich will, fällt anscheinend vielen Frauen aufgrund von Erziehung und gesellschaftlichen Erwartungen noch immer schwer – so die Erkenntnis an diesem Abend.
Ich war besonders fasziniert von der Offenheit der Gespräche. Kein Handy bedeutete keine Ablenkung, keine Fotos, keine Nachrichten, stattdessen das totale Eintauchen in den Moment, in die Gespräche. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass es das ist, was mich zunehmend stört, wenn ich mit einer Runde Freundinnen ausgehe. Klar, die meisten sind höflich, und die iPhones bleiben zumindest beim Essen in der Handtasche, doch danach geht es los: Die eine checkt, wann die nächste Bahn fährt, die nächste schreibt Nachrichten an den Partner, und eine telefoniert mit den Kindern, die jetzt ins Bett müssen. Gerne wird das Handy auch rausgeholt, um zu googeln, ob die Freundin gegenüber auch recht hat mit dem, was sie sagt, oder die Foodie-Freundin muss noch schnell ein Foto vom veganen Dessert machen. Es nervt! Wir sind alle süchtig nach diesem kleinen elektronischen Gerät.
Bei meiner nächsten „Mädels“-Runde werde ich darauf bestehen, dass wir die Handys in eine Tasche abgeben und erst beim Verabschieden wieder verteilen – damit wir endlich wieder offen und ehrlich ins Gespräch kommen – für uns – für einen vergnüglichen und geistig befriedigenden Abend.